Der absolute Klassiker unter den Arzneimitteln: das Aspirin

Ein bißchen Geschichte

Es ist noch gar nicht so lange her, daß die Menschen banale Kopfschmerzen einfach aushalten mußten. Der Griff zur Schmerztablette, der uns heute so selbstverständlich erscheint, ist erst seit etwa 100 Jahren möglich.

Im alten Ägypten, im Griechenland und Rom der Antike waren pflanzliche Schmerzmittel schon in Gebrauch; dieses Wissen geriet allerdings in Europa im Mittelalter wieder in Vergessenheit. Erst ab dem 17. Jahrhundert wurde wieder versucht, Schmerzen medikamentös zu lindern. In Verwendung waren so unterschiedliche Dinge wie Rabenmist, getrocknete Eidechsen, zerhackte Schnecken, Schlangenhirn, aber auch schon Opium, Wein, Gewürznelken (bei Zahnschmerzen) und Weidenrinde, also Schmerzmittel, die wir auch heute noch verwenden. Die Weidenrinde wurde hauptsächlich bei Rheuma eingesetzt; in England wurde sie im 18. Jahrhundert als Fiebermittel - ähnlich der Chinarinde - ausprobiert.

Schon 1838 gelang es, die Salicylsäure als das wirksame Prinzip der Weidenrinde chemisch zu isolieren. Als es möglich wurde, Salicylsäure in reiner Form synthetisch herzustellen, erlangte sie große Beliebtheit als Medikament gegen Rheuma, Polyarthritis, Gicht und Fieber, denn die Wirkung war sensationell gut (es gab ja auch praktisch keine Alternative!). Als nachteilig erwies sich nur ihr sehr unangenehmer Geschmack und die schlechte Magenverträglichkeit.

Felix Hoffmann - der Vater des Aspirins

Historische Aspirin-Flasche Der Chemiker Felix Hoffmann hatte im Jahre 1897 die geniale Idee: Durch eine einfache chemische Reaktion macht er aus Salicylsäure die Acetylsalicylsäure,  heute meist kurz ASS genannt. Damit hatte er ein Medikament entwickelt, das allen Rheumatikern (darunter seinem eigenen Vater) die gute Wirkung der Salicylsäure ohne ihre schlechte Verträglichkeit brachte. 1899 wurde der Wirkstoff als Aspirin patentiert.

Das Medikament trat einen wahren Siegeszug an, denn es bringt vielen Menschen Erleichterung, die vorher Schmerzen leiden mußten.
Wie ASS wirkt, wurde erst gut siebzig Jahre später aufgeklärt; John R. Vane erhielt im  Jahre 1982 den Nobelpreis dafür.

Hier können Sie sich eine Bilderseite anschauen, auf der wir einige historische Werbeplakate für Aspirin gesammelt haben.

Einige Zahlen

Der Jahresverbrauch von Aspirin auf der Welt beträgt ca. 50.000 Tonnen, von denen die USA allein 16.000 Tonnen verbrauchen.
Das Warenzeichen Aspirin ist in über 70 Ländern der Welt geschützt, nicht aber in den USA ("Kriegsbeute").

In Deutschland sind außer Aspirin etwa 60 Präparate im Handel, die ASS als alleinigen Wirkstoff enthalten, weitere 60, in denen ASS neben anderen Wirkstoffen enthalten ist. Obwohl es mittlerweile eine ganze Palette von Schmerzmitten gibt, hat ASS kaum an Bedeutung verloren.
Holländisches Werbefahrzeug

Die Zukunft...

ASS wird mittlerweile nicht nur als Schmerzmittel eingesetzt.
Bekannt ist auch die blutverdünnende Wirkung von ASS; deshalb wird es als Vorbeugung gegen Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall angewendet. Daß die Forschung an diesem Klassiker damit aber noch lange nicht abgeschlossen ist, zeigt folgende Zahl: in jedem Jahr werden etwa 5000 wissenschaftliche Studien über Acetylsalicylsäure veröffentlicht!
Aspirin heute...
 

Noch viel mehr über Aspirin können Sie auf der Homepage der Firma Bayer erfahren.


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